„Altersgerecht Umbauen“ – Bauen für die Zukunft, oder heute schon an morgen denken!

Zuerst einmal: Altersgerecht Umbauen hat nichts mit dem Alter zu tun! Vielleicht sollte man eher sagen – „Umbauen für die Zukunft“.

Gerade wenn wir mit unseren Bauherren den Umbau von bestehenden Häusern und Wohnungen oder auch Neubauprojekte besprechen, ist dies immer ein wichtiges Thema, das ausführlich erörtert wird. Unser Ziel ist es, für unsere Bauherren ein Zuhause zu planen in dem sie möglichst lange selbstbestimmt wohnen können – das ist unser oberstes Ziel.

Aus einem aktuellen Projekt heraus möchte ich heute die Gelegenheit nutzen zusammenzustellen, worauf man bei der Wohnungsplanung gleich achten soll. Solange man nicht wirklich  bewegungseingeschränkt ist, ist es einfach nur ein angenehmer Komfort, wenn dann der Fall eintreten sollte, ist alles schon da.

  1. Beginnen wir bei den Zuwegen zum Haus:

Hier sollten die Wege breit genug sein, damit auch 2 Personen gut nebeneinander laufen können, möglichst 150 cm – mindestens 120 cm. Oftmals kann der Zuweg auch über eine Rampe führen um so einer Treppe oder Stufe auszuweichen. Eine elegante Lösung die auch mit Bepflanzungen schön gestaltet werden kann. Ein Parkplatz vor dem Haus sollte idealerweise ohne Schwelle oder Stufe zu erreichen sein und gleichzeitig noch etwas breiter als ein „normaler“ Parkplatz sein, um gut ein- und aussteigen zu können. Dies ist ja auch kein Nachteil, wenn man bequem ein- und aussteigen kann, z.b. mit Kindern und Kinderwagen. Dann ist natürlich auch das Licht noch ganz wichtig: am besten einen Bewegungsmelder installieren, dann kommt man auch bei Nacht gut ins Haus und muss nicht nach einem Schalter suchen.

  • breite Zugangswege, ggf. mit Rampe
  • Stellplatz, am besten überdacht, in ausreichender Breite, bzw. Garage
  • Licht mit Bewegungsmelder

 

2. Der Hauseingang und das Treppenhaus

Idealerweise sollte die Haustüre eine Durchgangsbreite von mindestens 90 cm haben und vor und hinter der Türe muss genügend Platz sein, um die Türe zu öffnen. Idealerweise mindestens 150 x 150cm. Wichtig ist auch, dass es – natürlich – möglichst keine Türschwelle gibt. Maximal erlaubt sind hier 20mm. Ideal ist auch, wenn der Eingangsbereich überdacht ist um ggf. den Kinderwagen und später den Rollator abzustellen. Das Gleiche gilt für den nötigen Platz hinter der Haustüre.

Toll ist es, wenn es im Haus einen Aufzug gibt, auch hier gibt es vorgeschriebene Maße, auf die ich jetzt aber nicht im Einzelnen eingehen möchte. Wenn neu gebaut wird, planen wir immer einen Bereich ein, in dem im Bedarfsfall ein Aufzug eingebaut werden kann. Dieser kann innerhalb der Wohnung/des Hauses sein oder von außen (später) angebaut werden. In bestehenden Wohnungen kann auch ein Treppenlift entsprechend montiert werden. Und auch bei Treppen ist darauf zu achten, dass beidseitig ein Handlauf angebracht wird, bzw. werden kann. Dies sind alles Dinge die das Leben leichter machen.

Zu überlegen ist auch, ob die Haustüre selbst öffnend mit einem Transponder, der in der Hosentasche/Handtasche ist, ausgestattet wird. Dann wird kein Schlüssel mehr benötigt. Und es ist doch auch angenehm, wenn man voll bepackt zur Türe kommt und man nicht erst nach dem Schlüssel in der Tasche suchen muss.

  • überdachte Abstellfläche vor der Haustüre
  • genügend Platz im Hausflur (für Kinderwagen und später Rollator)
  • möglichst keine bzw. nur geringe Türschwellen
  • Aufzug bei der Planung mit vorsehen
  • auch Rampen innerhalb des Hauses verbinden verschiedene Ebenen
  • selbst öffnende Haustüre

Flur ModernBalance Associates Architects. Architekten & Gebäudedesigner, Seattl

 

3. In der Wohnung

Am Besten, Schönsten, Idealsten ist es natürlich, wenn in der Wohnung Platz ist. Genügend breite Flure, wenn überhaupt notwendig, da es auch schöne offene Grundrisslösungen gibt. Hier kommt es immer darauf an, ob man mit vorgegebenem Grundriss planen muss oder bei einem Neubau, ganz frei planen kann.

Ansonsten soll ein Flur mindestens 120 cm breit sein, wenn viele Türen vorhanden sind, sind sogar 150 cm besser. Das hat mit dem Öffnen der Türe zu tun, damit davor und dahinter genügend Bewegungsfreiraum ist. Ideal zum Bedienen sind auch Schiebetüren. Ein nützliches Detail ist es, wenn z. B. beleuchtete Sockelleisten montiert werden, sie weisen in der Nacht den Weg und verhindern ein Stolpern oder sogar Stürzen bei Nacht.

 

 

In allen Räumen ist natürlich die Bedienbarkeit der Lichtschalter und Steckdosen wichtig. Lichtschalter sollten auf einer Höhe von 80 – 110 cm angebracht werden, damit die Bedienbarkeit auch vom Sitzen aus möglichst leicht ist. Steckdosen dagegen in einer Höhe von 40 cm! (Standard ist ca. 25-30 cm), dann muss man sich nicht so sehr nach unten beugen! Idealerweise sollte bei der Neuinstallation auch ein Generalschalter – vorzugsweise im Flur – installiert werden. Mit diesem lässt sich dann in der ganzen Wohnung, das Licht und je nach Installation auch Steckdosen ausschalten. Alle wichtigen Geräte (Kühlschrank etc. ) bleiben selbstverständlich angeschaltet! Aber auch dies muss im Vorfeld gut geplant und durchdacht sein. Ebenfalls erleichtern schaltbare Steckdosen für z.B. Steh- oder Tischleuchten das Leben ebenfalls. Somit muss man nicht zu jeder Leuchte einzeln hinlaufen, um sie ein- und auszuschalten.

Bei den Fenster ist auf eine niedrigere Brüstungshöhe zu achten (ca. 60 cm ) oder schön ist auch der Einsatz von raumhohen Fenstern um den Bezug nach draußen zu haben. Achtung: die Fenstergriffe müssen so angebracht sein, dass diese auch im Sitzen bedient werden können. Ebenso sollten Rollläden und Jalousien elektrisch zu bedienen sein, ggf. sogar mit Fernbedienung.

  • genügend breite Flure
  • genügend breite Türdurchgänge
  • raumhohe Fenster
  • Schalter und Steckdosen in leicht bedienbarer Höhe
  • Generalschalter
  • schaltbare Steckdosen
  • Fenstergriffe in richtiger Höhe angebracht
  • Rollläden und Jalousien elektrisch bedienbar

 

4. Die Küche

Die Küche ist ein wichtiger Raum, der auch gut funktionieren muss. Um genügend Bewegungsfreiheit zu haben muss vor der Küchenzeile mindestens 120 cm Platz sein, dann kann man sich gut bewegen – auch mit Rollator oder Rollstuhl. Schön ist es auch, wenn ein Platz zum Sitzen möglich ist.

Wenn die Küche auch für Rollstuhlfahrer nutzbar sein soll, gibt es folgendes zu beachten:

Damit die Küche von Rollstuhlfahrer und nicht-gehbehinderten genutzt werden kann, ist es sinnvoll, dass sich die Arbeitsplatte zusammen  mit dem Herd auf Knopfdruck absenken lassen kann. Auch solle die Arbeitsplatte unterfahrbar sein. Oberschränke sollten auch herunter gefahren werden können, um diese zu nutzen. Ansonsten sollten die Unterschränke mit Auszügen ausgestattet sein. Es ist darauf zu achten, dass davor genügend Bewegungsfläche vorhanden ist. Komfortabel ist auch, wenn die Geschirrspülmaschine erhöht und der Backofen seitlich zu öffnen ist.

Inzwischen gibt es auch technische Einrichtungen, bei der der Herd mit einem Bewegungsmelder ausgestattet ist und sobald sich niemand in der Küche befindet, der Herd sich selbständig ausschaltet, dies ist auch ein Thema für das Wohnen im Alter.

  • genügend Bewegungsfläche
  • absenkbare Arbeitsplatte und Kochbereich
  • absenkbare Oberschränke
  • Arbeitsplatte unterfahrbar
  • Unterschränke mit Auszügen
  • Spülmaschine erhöht
  • Backofen mit Türe
  • Bewegungsmelder am Herd

 

 

5. Das Bad

Als erstes fällt einem dann immer die bodenebene Dusche ein, die man der Badewanne, wenn man sich entscheiden muss, vorzieht. Es gibt aber auch Badewannen mit nachrüstbarem Hebesitz, was auch seine Vorteile hat. Ausschlaggebend ist jedoch die Größe des Bades um die nötige Bewegungsfreiheit zu haben. Also diesen Raum nicht zu klein bemessen!

Die Dusche sollte so groß sein, dass noch ein Klappsitz oder sogar ein gemauerter Sitz Platz darin hat. Dementsprechend, sollten auch die Armaturen so angebracht sein, dass diese im Sitzen leicht zu Bedienen sind. Zusätzlich sind entsprechende Haltegriffe in der Dusche sehr wichtig.

Bei den Bodenfliesen ist darauf zu achten, dass diese rutschhemmend sind – Wenn man Fliesen aussucht, haben diese das Kennzeichen R9 bzw. R10, was die Rutschfestigkeit auszeichnet. Hier also gleich in den Fliesenausstellungen danach fragen.

Beim Waschbecken ist darauf zu achten, dass dieses höhenverstellbar ist und dann bitte auch beachten, dass der Spiegel so montiert ist, dass man sich auch im Sitzen sehen kann, bzw. gekippt werden kann! Ebenso ist für genügend Ablagefläche und Stauraum in Greifhöhe zu achten.

Dies sind jetzt im Bad die technischen Voraussetzungen, dass so ein Bad natürlich auch mit Licht und Farben entsprechend schön gestaltet sein kann, ist klar!

Beim WC ist auf genügten Platz links und rechts zu achten, sowie auch auf die richtige Montagehöhe.

  • Groß genug
  • bodenebene Dusche mit Klappsitz bzw. Sitzgelegenheit
  • Bodenfliesen rutschhemmend
  • Haltegriffe
  • Waschbecken höhenverstellbar
  • WC in richtiger Höhe montiert

 

 

(c) raumkonzepte

 

6. Balkon und Terrasse

Gerade, wenn das aus dem Haus gehen immer schwieriger wird, trägt eine Terrasse oder ein Balkon sehr zur Lebensqualität bei. Deshalb sollte eine Terrasse oder ein Balkon nicht zu klein sein. Technisch ist es selbstverständlich möglich die Türschwelle auch hier so gering wir möglich auszuführen. Beim Geländer ist allerdings darauf zu achten, dass dieses nur bis zu einer Höhe von ca. 60 cm blickdicht sein darf, damit man im Sitzen noch gut darüber schauen kann.

  • entsprechend groß
  • Geländer über 60 cm transparent
  • geringstmögliche Schwelle

Terrasse & Balkon –

(Asiatisch)</a></small></div>

 

 

7. Möbel und Einrichtung

Hier gibt es viele Möglichkeiten, wie das Leben einfach werden kann. Z.B. kann im Kleiderschrank ein elektrischer Kleiderlift angebracht werden. Möchte man dies vorab noch nicht haben, sollte man nur an einen Stromanschluss vorab denken, dann ist diese jederzeit nachrüstbar.

 

Ausziehbare Tische und möglichst der Stauraum mit Schubkästen in Greifhöhe erleichtern das Leben. Hierfür gibt es viele ganz individuelle Einrichtungslösungen und schöne Ideen.

 

Hier habe ich jetzt einmal zusammengetragen, was es alles zu beachten gibt, wenn eine Wohnung oder ein Haus altersgerecht und auch für Rollstuhlfahrer geplant wird. Selbstverständlich kommen noch persönliche Vorlieben hinzu. Und auch die technische Weiterentwicklung ist noch lange nicht am Ende.

Es gibt inzwischen auch Assistenzsysteme die z.B. die täglichen Verbräuche überwacht und sollte das intelligente System eine Abweichung zum Standard bemerken, wird z. B. eine Meldung an die Angehörigen oder die Pflegezentrale verschickt. Und diese intelligenten Assistenzsysteme können innerhalb der Wohnung geschickt getarnt montiert werden und registrieren die Aktionen in der Wohnung.

AAL, Ambient Assisted Living – ist das neue Wort für barrierefreies und altersgerechtes Wohnen und die Weiterentwicklung der Möglichkeiten geht weiter.

 

Für die Umsetzung all dieser Maßnahmen gibt es auch Fördergelder:

Bei der KFW gibt es Förderprogramme „altersgerecht Umbauen“ hier werden Baumaßnahmen mit bis zu 50.000 € pro Wohneinheit mit zinsgünstigen Darlehen gefördert, alternativ gibt es auch Zuschussprogramme: hier der Link:

https://www.kfw.de/inlandsfoerderung/Privatpersonen/Bestandsimmobilien/Finanzierungsangebote/Altersgerecht-umbauen-(159)/index-2.html

Übrigens werden nicht nur die Handwerkerarbeiten gefördert, sondern auch die anteiligen Architektenleistungen hierfür.

 

Unser Ziel ist es, jetzt schon mit unseren Bauherren an morgen zu denken. Denn eine vorausschauende Planung bei Wohnungen und Häusern sichert eine durchgängige hohe selbstbestimmte Lebensqualität in den eigenen Räumen.

Ich wünsche jedem von uns, dass er immer gesund bleibt – aber durch die viele Hilfen und Möglichkeiten, kann man doch mit einer gewissen Gelassenheit die Zukunft auf sich zukommen lassen.

Herzliche Einrichtungsgrüße Jeanette

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