Vorher-Nachher – Eine Vinothek, bei der kein Detail dem Zufall überlassen wurde

„Es wird Zeit, dass wir unseren, in die Jahre gekommenen Weinverkaufsraum, neu gestalten zu einer schönen Vinothek. Machen Sie das auch?“ Das war der Anruf vom Weingut Zaiß aus Stuttgart-Obertürkheim – http://www.zaiss.com – vor einiger Zeit.

Sehr gerne machen wir das„,  und haben einen Termin vereinbart.

Bei unserem ersten Besuch, standen wir ersteinmal vor dem falschen Eingang, den eigentlichen hatten wir glatt übersehen. Das war schon mal der erste Punkt: Wer etwas verkaufen will, der muss auch gefunden werden! Also dem Kunden muss es so leicht wie möglich gemacht werden in den Laden zu kommen. Hier hatten wir schon den ersten Punkt, der bearbeitet werden muss!

Wie das bei  unseren Gesprächen so üblich ist, wird ersteinmal ausführlich besprochen, was denn die Kundenwünsche und Anforderungen an den Raum sind, damit wir uns ein Bild über die Abläufe und Vorstellungen machen können.

Es waren viele.

Das Weingut Zaiß, ein Familienbetrieb mit 400-jähriger Geschichte, stellt ihren Wein und Sekt selbst her, viele Preise und Auszeichnungen der letzten Jahre zeigen die Klasse und Qualität, dies soll auch nach außen in der Gestaltung der Räume ausgedrückt werden, die ja letztlich auch das Unternehmen entsprechend darstellen und nach außen präsentieren.

Bei Besichtigung des Raumes war schnell klar, dass es hier Handlungsbedarf gab. Vor 40 Jahren war dieser sicher topmodern und zeitgemäß, heute erinnerte er eher an eine rustikale Wirtschaft. Aber so ändern sich eben die Zeiten.

Die Größe es Raumes mit 16m², war jetzt nicht üppig für die Wünsche und auch die Möglichkeit nach links, rechts oder nach hinten zu erweitern gingen leider nicht. Also galt es mit den 16 m² das Optimale herauszuholen.

Das stand unter anderem auf der Wunschliste:

  • ansprechende Präsentation der Weine
  • gute Eingangslösung
  • komplette Küchenzeile mit Gastro-Spülmschine, Spülbecken, Arbeitsfläche
  • Platz für Gläser etc.
  • Kasse und Computer
  • Weinkühlschrank
  • Sitzgelegenheit
  • Stehtisch
  • gute Beleuchtung innen und außen
  • Akustik, es darf nicht laut sein
  • ansprechende Farbgestaltung
  • gute Präsentation nach außen, passend zum Unternehmen
  • … und der Raum muss einmal im Jahr, bis auf die Küchenzeile, komplett auszuräumen sein für das Haus- und Hoffest im Sommer…

Wie sind wir vorgegangen:

 

1. Wie wird der Kunde aufmerksam auf den Eingang?
Da der Weinverkaufsraum ca. 20 m von der Straße zurückversetzt ist, war die erste gestalterische Aufgabe, die Aufmerksamkeit der Kunden auch auf diese Entfernung zum Eingang zu lenken. Da, wie gesagt, seitlich und  nach hinten keine Erweiterung möglich war, blieb nur die Möglichkeit, den Eingang nach vorne zu öffnen. Etwa zwei Meter konnte der Eingang nach vorne verlegt werden, ohne dass der Hof zum Rangieren für die Fahrzeuge zu sehr beeinträchtigt wurde. Das haben wir natürlich gerne ausgenutzt! Und auch das Baurechtsamt hat grünes Licht gegeben.
Bald war die Idee, einen neuen Eingang in einer vorgesetzten Mauerscheibe, der Favorit in der Gestaltung.
Und um den Bezug zum Weinbau zu erhalten, wurde diese Mauerscheibe mit eigenen Weinbergsteinen später verkleidet. Und um noch genügend Licht in den Raum zu lassen, wurde der Zwischenraum zwischen Haus und Mauerscheibe in Glas ausgeführt.
Jetzt wurde es für den Kunden ganz klar: hier ist der Eingang! Und dieser ist auch von der Straße aus sehr auffällig und gut zu sehen und bekam dann auch noch eine Lichtwerbung und Beschriftung.
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2. Und wie sieht es innen aus?

 

Die grundsätzliche Raumaufteilung war schnell klar. Die Küchenarbeitszeile kann nur, auch bedingt durch die Wasseranschlüsse, an der hinteren Wand sein und wenn auch die Laufwege berücksichtigt sind, war klar, wo der Kassen- und Thekenbereich sein kann und an den Wände ist Platz für die Verkaufsregale.
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Jetzt ging es an die Detailarbeit, die auch funktionell sein muss.
Mit der Vorgabe, dass der Raum einmal im Jahr komlett ausgeräumt werden muss, konnten jetzt keine großen Einbauregale für die Weinflaschen geplant werden. Letztendlich haben wir zusammen mit dem Schreiner ein Regal-Stecksystem entwickelt, welches aus einem Wandpaneel besteht, in welches lackierte Stahlplatten als Fachböden eingesteckt werden und die Zwischenräume wurden mit lackierten Glasplatten belegt. Die Fachböden sind somit auch flexibel und können je nach Flaschengröße und Dekoration verändert werden. Und, wie gesagt, einmal im Jahr werden alle Steckböden entfernt und es ist nur noch das Wandpaneel an der Wand, welche keinen Platz benötigt.
Somit wurde auch die Theke als Einzelmöbel mit aufgesetzter runder Thekenplatte gefertigt. Darunter hat ein Rollcontainer Platz in dem die ganze Computertechnik, samt Rechner und Drucker untergebracht ist und nur mit Ziehen eines Steckers abgekoppelt werden kann. Die ganze Theke ist auch vom Maß her so bemessen, dass sie ohne große Probleme aus dem Raum getragen und verstaut werden kann und trotzdem alles beinhaltet was das Jahr über benötigt wird.

 

3. Die Farb- und Materialgestaltung
Wenn man an Wein denkt, fallen einem bei den Materialien folgende Schlagworte ein: Glas, Weinbergsteine, Naturstein, Holz, Eiche, rot, weiß, Stahl – das waren auch die Wunschfarben der Chefin – und der ganze Raum sollte angenehm hell, einladend und freundlich werden.
Für die Schreinereinbauten haben wir deshalb eine weiß gekalkte Eiche ausgesucht und für die Regalwände auf der einen Seite rot lackiertes Glas (passend zum Rotwein) und auf der anderen Seite beige lackiertes Glas (passend zum Weißwein). Als neutrale Verbindung, waren die Steckböden in schwarzem Metall und auch die Arbeitsplatte wurde in schwarzem Stein aufgeführt.
Passend dazu ein heller, strukturierter Feinsteinzeugboden und weiß verputze Wände und Decken.

 

4. Die technische Ausstattung
Dadurch, dass der Raum nicht sehr groß ist und jede Wandfläche als Präsentationsfläche genutzt werden soll, gab es keinen Platz für einen Heizkörper. Deswegen wurde eine Fußbodenheizung eingebaut.
Auch war es Wunsch des Bauherren, dass seine Kunden im Sommer in angenehmer Atmosphäre den Wein probieren sollen, hierfür wurde für die Klimatisierung auch gleich eine Klimaanlage installiert, mit der bei Bedarf auch geheizt werden kann.
Ebenfalls war Herrn Zaiß sehr wichtig, dass es auf gar keinen Fall zu laut sein darf. Dadurch, dass ringsum „harte“ Materialen, (Wände, Glaswände, Steinboden) vorhanden sind, bestand tatsächlich die Wahrscheinlichkeit. Dies wurde mit einer abgehängten Akustikdecke vermieden. Die Decke wurde dann vom Stuckateur so gestaltet, dass die Einbaustrahler sich perfekt in die Decke integrieren.

 

5. Und die kleinen Details auf die es ankommt.
Dass wir die Wandregale mit entsprechende Steckborden bauen ließen habe ich oben ja schon erwähnt. http://www.innenausbau.tv
Der Elektriker, dessen Arbeit man ja in der Regel gar nicht sieht, hat die Verkabelung so gut vorbereitet, dass an alles gedacht wurde. Von der Klingel- und Briefkastenanlage, Anschluss der Lichtreklame, Telefon und EDV-Anbindung, bis zu verschiedenen Lichtstimmungen, auch die indirekte Beleuchtung hinter den Regalen mit LED-Leisten im Raum wurde von ihm alle berücksichtigt. http://www.elektrotechnikortlieb.de
Der Stuckateur, der die Wände und alle Schlitze sauber verspachtelt und verputzt  hat bis zur abgehängten Akustikdecke mit ihren Einbaustrahlern genau auf die Regale abgestmimmt. http://www.groeber.net
Der Fliesenleger, mit dem wir zusammen die Fliesenfugen mehrmals ausgelegt haben bis dann auch dieses Detail für alle stimmig war und auch der eingelegte auf Maß gefertigte Schmutzfangteppich genau eingepasst werden konnte. http://www.raisch-fliesen.de
Bis zum Steinmetz der die Mauerscheibe so mit Weinbergsteinen verkleidet hat, bis sie aussah wie ursprünglich. http://www.breierundmack.de und die Verglasung dazwischen in Fassadenbautechnik http://www.heindel-metallbau.de.
Es war wieder eine tolle Zusammenarbeit mit den einzelnen Gewerken und das Ergebnis kann sich sehen lassen.

 

Wichtig ist natürlich auch, wie geht es Familie Zaiß mit ihrem neuen Verkaufsraum? Das Feedback ihrer Kunden ist durchweg positiv und es macht der ganzen Familie viel Freude ihre Weine hier zu beraten, verkosten und zu verkaufen. Alle Abläufe und Handgriffe passen wie gewünscht. Und auch die schöne Präsentation der Weine unterstreicht die Qualität und so soll es sein!
Auch wenn es „nur“ letztendlich 19 m² Raum sind, hier wurde wirklich gemeinsam jedes Detail besprochen und entschieden und das merkt man am Ergebnis.

 

Hier das Ergebnis:
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Was will man mehr?
… vielleicht wieder einmal so ein schönes Projekt an anderer Stelle mit neuen Ideen und Kundenwünschen, die wir umsetzen dürfen?.. Jederzeit gerne!

Herzliche Grüße
Jeanette und Michael – http://www.rosenberger-neidhardt.de

 Und wer sich das ganze einmal ansehen möchte, ist jederzeit eingeladen bei Familie Zaiß http://www.zaiss.com im Stuttgart-Obertürkheim vorbeizukommen. Im Herbst und Frühjahr ist die Besenwirtschaft geöffnet und im Sommer wird für 10 Tage zum Haus- und Hoffest eingeladen. (Die genauen Termine stehen auf der Internetseite.)

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