Mein Messebesuch: Möbelmesse Köln IMM 2017 – Wohnen und Einrichten zwischen gestern und morgen

Der Januar hat es für Einrichtungsbegeisterte in sich. In der zweiten Januarwoche findet jedes Jahr die Textilmesse HEIMTEX in Frankfurt statt, hier kann man in Stoffen schwelgen… gleich darauf folgt in Köln die Internationale Möbelmesse imm cologne und wer dann noch nicht genug hat, kann gleich darauf nach Paris zur Maison&Object weiterreisen.

Mich hat es wieder nach Köln zur imm cologne gezogen.Um bei elf Hallen, mit teilweise mehreren Stockwerken, den Überblick nicht zu verlieren ist eine Vorbereitung, was man sehen möchte sehr wichtig. Daher war für mich klar – die Messehallen in denen die großen stilprägenden Designmarken ausstellen,  ist immer interessant und sehenswert, um einen Eindruck zu bekommen, was sich die meist hochdotierten Designer für uns überlegt haben. Daneben gibt es selbstverständlich auch viele kleinere Unternehmen, die sich mit neuen spannenden Entwürfen präsentieren.

Und was gab es jetzt auf der Messe Neues?

Die Farben – es gibt wieder Mut zur Farbe!

Sehr auffällig war, dass es wieder Mut zur Farbe gibt. Keine grellen hellen frischen Farben, eher alles gedeckt von blau, grün, rosa, rot, gelb bis Gold war alles zu sehen und dies vom Sessel bis zum Schrankmöbel. Die ganze Farbigkeit wurde zudem noch mit intensiven Wandfarben und Textilien bei der Standgestaltung abgerundet. Auch Holz ist nach wie vor dabei,  jedoch eher zurückhaltend eingesetzt und wenn, dann mit schönen Details verarbeitet. Im Gesamten ein stimmiges Ganzes um sich in seinen Räumen einen ruhigen Rückzugsort zu schaffen. Vielleicht spiegelt sich hier auch der Wunsch des Einzelnen nach einer heilen Welt zuhause wieder.

Eine Veränderung zu den letzten Jahren, in denen die Farbstimmung mehr bei den Holz-, Erd- und Naturtönen zu finden war, kombiniert mit frischen Farben (apfelgrün und orange) ist hier entstanden.

Hier ein paar meiner Impressionen:

 

 

Die Formen – „Willkommen in den 50er Jahren“könnte man sagen

Wenn einen die Farben schon etwas an die 50 er Jahre erinnerten, so unterstreichen die aktuellen Formen dies noch zusätzlich. Mid-century, heißt der neue Stil. Leichte Gestellsofas, leichte Sessel, filigrane Stühle, Sideboards und Kommoden auf Füssen. So könnte man die Neuheiten zusammen fassen. Natürlich technisch auf dem neuesten Stand. Angefangen von tollen Stuhl- und Sitzbezügen, handwerklicher Polsterung, schönen Oberflächen bis zur ausgetüftelten Beschlagstechnik beim Öffnen von Türen, Schränken und Schubkästen, war alles zu sehen.

 

Die Details – Handwerkskunst ist wieder gefragt!

Sehr gefreut hat mich, (hier kommt bei mir eben doch meine Schreinervorbildung zum Vorschein), dass es wieder schöne Verarbeitungsdetails zusehen gibt. Denn man darf nicht vergessen, auf dieser große Möbelmesse zeigt die Möbelindustrie ihre Produkte, die in der Regel seriell produziert werden. Hier werden teilweise in großen Fertigungsstraßen, Lackieranlagen etc. diese Möbel produziert. Und ja, es gibt auch noch die ergänzende Handarbeit, ohne die so hochwertige Möbel nicht hergestellt werden könnten. Um jedoch wettbewerbsfähig zu sein, wird die heutige Technik eingesetzt, wo nur möglich. Am Stand von Conde House, ein Hersteller aus Japan, wurde uns verraten, dass die perfekten Holzübergänge nicht mehr nur geschliffen , sondern ganz fein sandgestrahlt werden – es entsteht eine Oberfläche wie Samt. Und an diesen feinen Details zeigt sich dann auch die Qualität (die sich meist auch im Preis wiederfindet).

 

Die Lampe – Die Leuchte – Das Licht

Ohne das richtige passende Licht kann es auch im schönsten Raum nicht gemütlich werden. Auch dies konnte man auf der Messe wieder gut erfahren. Es gab Messestände mit schöner stimmungsvoller Beleuchtung, hier ist man gerne hinein gegangen und auch die Möbel schienen gleich in einem guten Licht. An anderen Ständen ist man eher vorbeigelaufen, hier war die Beleuchtung zu grell, zu kalt – einfach nicht passend…  Und so geht es auch mit jedem Wohn- und Arbeitsraum. Deswegen ist die richtige passende Beleuchtung so wichtig! Von großen auffälligen Leuchten bis zur dezenten Stehleuchte war so gut wie alles zu finden, was das Wohnen schöner macht.

 

Und auch in den Schränken und Regalen wird es hell. Durch den Einsatz von LED-Licht-Bändern in Schränken, Profilen und Regalen – davor oder dahinter – ergeben sich viele neue Lichtakzente. Hier lässt sich bei der Lichtgestaltung im Raum vieles umsetzen.

 

Wie schon gesagt, bei der imm cologne präsentieren sich die Hersteller und die (Möbel-) Händler haben hier die Gelegenheit für ihr Geschäft und ihre Ausstellung neues auszusuchen und einzukaufen, was wir dann in den Einrichtungshäusern kaufen können.

Es heiß jedoch nicht, dass jetzt jede neue Einrichtung in den „neuen“ Farben und Formen gestaltet sein muss, denn einen bestimmten Einrichtungsstil gib es in unserer heutigen Zeit nicht mehr, denn erlaubt ist, was gefällt. Die Kombination von alt und neu, Landhausstil, streng und klar modern und auch der Mix aus unterschiedlichen Stilen ist erlaubt.

Der Einsatz und die Nachfrage von leichten mobilen Möbeln ist sicher auch eine Folge unserer mobilen Lebensweise, in der ein Umzug aus privaten und/oder beruflichen Gründen immer öfter vorkommt und ein leichtes Sideboard sicher einfacher mitgenommen werden kann, als eine große Schrankwand.

Individualität, Flexibilität und Persönlichkeit, so kann man wohl die Wünsche der Kunden an ihre Einrichtung zusammenfassen.

Und hier noch ein paar Links zu guten Herstellern:

  • COR – Polstermöbel vom Feinstenwww.interluebke.com – Schrankmöbel
  • Raumplus – bekannt für Schiebetürschränkewww.piure.de – Schrank und Kastenmöbel in vielen Varianten
  • Schramm – Betten und Schlafkomfort auf höchstem Niveau
  • Draenert – Stein-Tische
  • Team 7 – moderne Massivholzmöbel aus Österreich
  • Conde House – Japanische Handwerkskunst bei Stühlen und Tischen
  • Zeitraum – Wohnen mit Holz in schöner Verarbeitung

und es gibt noch viel mehr … gerne gebe ich noch weitere Tipps zu guten Herstellern, alle aufzulisten würde den Rahmen sprengen!

 

 

Und dann gab es noch die Sonderausstellung „DAS HAUS“

Somit war auch die diesjährige Ausstellung „DAS HAUS“ auf der Messe sehr interessant und hat zum Nachdenken angeregt. Seit 2012 wird jedes Jahr eine Designer/In eingeladen sich mit dem Thema WOHNEN auseinander zu setzten und dies zu gestalten. Letztes Jahr durfte der deutsche Designer Sebastian Herkner diese Fläche gestalten und herausgekommen war ein offener Grundriss mit fließenden Übergängen in die einzelnen Räume, die durch Vorhänge abgetrennt und verbunden werden konnten. Sein Thema war: Kommunikation, Offenheit und Gastfreundschaft. Diese Ideen konnte man auch gut selbst in den geschaffenen Räumen erfahren.

 

Anders war es in diesem Jahr. Ich muss zugeben, ich hatte mich mit den Entwurf „Das Haus 2017“ von Todd Bracher im Vorfeld noch nicht beschäftigt, somit stand ich dann in einem rechteckigen Raum, umgeben von raumhohen Regalen, in der Mitte ein großer Tisch mit Stühlen und integrierter Kochgelegenheit, einem Durchgang in einen separaten dunklen Raum und einer Dusche im Außenbereich. Was war jetzt das? Fragte ich mich.

Todd Bracher hatte einen interessanten Ansatz, er ging so weit zurück, dass er das Wohnen auf das Wesentlichste reduziert hatte. Was ist tatsächlich notwendig? Ein Raum, in diesem Fall ein großer Tisch, an dem gekocht wird, ein Bereich zum gemeinsamen Austausch für Kommunikation, ein Platz um Wissen, Erfahrungen aufzunehmen, hierfür standen die Bücherregale ringsherum in dem das „Wissen“ untergebracht ist. Daneben ein Raum zum Schlafen und zum zur Ruhe zu kommen. Und die Dusche hatte er in die Natur verlegt. Er nennt sein Haus das „nährende Haus“. Ein Haus in dem wir das aufnehmen können, was wir zum Leben brauchen. (…Während ich dies schreibe denke ich an die alten Bauernhäuser in denen es eine beheizte Stube gab, in der sich das Leben abspielte, die Schlafstube und das WC  über dem Hof…). Als Experiment interessant, und zum Überlegen, was jedem einzelnen beim Thema Wohnen wichtig ist, wenn die Grundbedürfnisse gedeckt sind.

todd-bracher-das-haus-imm-cologne-2017-designboomthumbnews.jpg

 

Und hier sind wir wieder am Anfang angekommen, es gibt für jeden seine Wohnung und sein Haus. Ein richtig oder falsches Einrichten gibt es nicht. Es gilt nur herauszufinden, wie will ich wohnen, was ist mir wichtig, was ist mein Lebensstil. Denn ein Zuhause ist immer ein Zusammenspiel aus Bedürfnissen und Funktionen oftmals auch von mehreren Bewohnern, die ganz darauf abgestimmt sind ihre Bewohner in ihrem Alltagsleben zu unterstützen. Ein Haus und eine Wohnung ist immer als ein ganzheitliches Projekt zu sehen, bei dem Architektur und Interior Design zusammenspielen müssen.

Und das sehe ich als meine Aufgabe für meine Kunden, ihnen auf dem Weg zu Ihrem persönlichen Wohnen mit meiner Erfahrung zur Seite zu stehen. Und auf Messen hole ich mir hierfür gerne Anregungen.

Die nächste Messe die ich besuche ist übrigens der Münchner Stoff Frühling und Anfang April geht es dann in Mailand weiter zum Salone Milano .

Herzliche Einrichtungsgrüße – Jeanette

Fotos Jeanette Neidhardt-Rosenberger, Messe Köln

P.S. Mein Artikel über die imm cologne ist übrigens auch auf der Seite von Freiraumarchitektur – ein Blog von Birgit Schneider, die sich mit den Themen Architektur, Bauen, Wohnen, Leben beschäftigt erschienen – besucht sie doch mal!

 

Advertisements

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Birgit sagt:

    Danke für die Verlinkung, Jeanette! Ich habe mich sehr gefreut, dass Du meinen Lesern über die Möbelmesse berichtet hast.
    Herzliche Grüße
    Birgit

    Gefällt mir

    1. Sehr gerne gemacht!

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s